Automobilindustrie - ein Ausblick

Dr. Ernst Bauer, Maximilian Schöberl und Philipp Rhomberg wagen einen Blick in die Zukunft.

Auotmobilindustrie heute, morgen, übermorgen

Wo sehen Sie die aktuellen Herausforderungen der Automotive-Branche?

  • keyboard_arrow_rightDr. Ernst Bauer:
    Wann gab es in den letzten Dekaden gleich­zeitig schon so viele Trends in der Automobilindustrie? Sei es im Bereich Antrieb etwa mit Fuel-Cell-, Batterie- oder Hybridantrieb, bei der Vernetzung und Digitalisierung und Big Data mit dem autonomen Fahren, bei den Konzepten wie Mobilität als Service, den Plattformstrategien der OEM oder dem globalen Trend Industrie 4.0. All diese Trends bestehen zurzeit gleichzeitig und sind von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der Automobilindustrie. Aber, und das ist die zusätzliche Herausforderung, diese Trends werden sich in den jeweiligen Märkten nicht gleich schnell durchsetzen. Selbst wenn man nur den Bereich der Personenkraftwagen betrachtet, erschließt sich schnell, dass die Umsetzung der Trends in den Märkten wie Nord- und Südamerika, West- und Osteuropa, China, Mature Asia oder Indien und ASEAN unterschiedlich schnell erfolgt. Diese sehr unterschiedliche Akzeptanz ist einerseits nutzerbedingt, wie z. B. die erhöhte Anforderung an Kommunikation und Unterstützung beim individuellen Transport, andererseits ganz erheblich bestimmt durch die jeweilige regionale Regelungsdichte, etwa durch Umweltvorschriften.
  • keyboard_arrow_rightMaximilian Schöberl:
    Die gegenwärtigen Herausforderungen der Automobilbranche beweisen vor allem eines: Volatilität ist die neue Konstante. Globale Handelskonflikte, zunehmende und uneinheitliche Regulierungen sowie die Intensivierung des Wettbewerbs stellen unsere Branche vor ganz neue Problemstellungen, die wir in unse­­rer strategischen Ausrichtung berücksichtigen müssen. Mehr denn je zeigt sich deshalb, wie wichtig flexible Produktionsprozesse, strategische Partnerschaften und innovative Lösungen für die Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen sind. Diese Faktoren helfen der BMW Group seit jeher, Probleme in kreative Chancen umzuwandeln.
  • keyboard_arrow_rightPhilipp Rhomberg:
    Die Automobil-Branche stand schon immer sehr großen Herausforderungen gegenüber. Die Anforderungen der Kunden und der Politik sind nämlich nicht immer dieselben. Der Anspruch, hoch komplexe Produkte in einer tadellosen Qualität herzustellen und als Fachmann dem Kunden gegenüber eine außer­gewöhnliche Dienstleistung zu erbringen, bleibt auch in Zeiten von großen Veränderungen eine spannende Challenge. Die Digitalisierung ist aus meiner Sicht heute das Thema, das viele beschäftigt.

Welche branchenspezifischen Entwicklungen zeichnen sich für die nächsten 10 Jahre Ihrer Meinung nach ab?

  • keyboard_arrow_rightDr. Ernst Bauer:
    Aufgrund der Heterogenität und der Interdependenz der Trends sind die Unternehmen gezwungen festzulegen, in welchen Bereichen sie ihre Kernkompetenzen weiterentwickeln wollen. Ein Versuch, an all den Trends gleichzeitig aktiv zu partizipieren, wird vor dem Hintergrund der knappen Ressourcen, insbesondere Entwicklungskapazität und Liquidität, kaum machbar sein. Die Entscheider werden die Kernkompetenzen nach Technologie und Markt für ihr Unternehmen neu ausrichten müssen. Im Besonderen ist die horizontale und vertikale Integration in den Prozess neu zu hinterfragen und zu justieren.
  • keyboard_arrow_rightMaximilian Schöberl:
    Die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen, befindet sich in einem kontinuierlichen Wandel. Megatrends wie Globalisierung, Urbanisierung, Digitalisierung und nachhaltige Mobilität werden auch in den nächsten zehn Jahren weiter an Fahrt gewinnen. Für unsere Industrie ist diese Transformation gleichzeitig Chance, die zukünftige Mobilität mitzugestalten. Bei der BMW Group haben wir hier eine klare Vision: Die Zukunft ist elektrisch, autonom, vernetzt und serviceorientiert.
  • keyboard_arrow_rightPhilipp Rhomberg:
    Der Wunsch nach individueller Mobilität wird weiterhin zunehmen. Die Politik hat einen entscheidenden Einfluss auf die Art und Weise, wie sich die Gesellschaft in Zukunft fortbewegen wird. So werden wir sicher einen Anstieg der reinen Elektro-Mobilität unabhängig von der Energiequelle erleben, wobei die herkömmlichen, immer effizienter und sauberer werdenden Verbrennungsmotoren sowie Hybridantriebe bestimmt den Löwenanteil behalten werden. Dienstleistungen rund um das Automobil werden vermehrt online gebucht und ausgebaut werden und es wird sich zeigen, ob sich auch die heutigen Carsharing-Modelle beim Kunden durchsetzen werden oder nicht.

Wie bereitet sich die BMW Group auf künftige Herausforderungen vor?

  • keyboard_arrow_rightDr. Ernst Bauer:
    Der Erfolg der notwendigen strategischen Entscheidungen und der hieraus abgeleiteten Maßnahmen wird kurzfristig nur schwer messbar sein. Während die Aufwendungen kurzfristig die Kennzahlen belasten, werden die Erfolge überwiegend erst mittel- bis langfristig deutlich. Damit ein Unternehmen die notwendige Transformation des Marktes mitgestalten kann, muss sich nicht nur das Unternehmen als solches neu ausrichten, auch die Stakeholder sollten die notwendige mittel- und langfristige Strategie für ihr Handeln sehr intensiv überdenken und gewichten.
  • keyboard_arrow_rightMaximilian Schöberl:
    Als BMW Group entwickeln wir bereits umfassende, nachhaltige Mobilitätsangebote, die den neuen Anforderungen gerecht werden. Mit der Strategie NUMBER ONE > NEXT richten wir unser Unternehmen nicht nur für die nächsten zehn, sondern für die kommenden 100 Jahre aus. Im Mittelpunkt aller unserer Überlegungen steht dabei der Mensch, denn Mobilität soll auch weiterhin Freude machen. Dafür investieren wir zunehmend in die Forschung und Entwicklung zukünftiger Mobilitätskonzepte. Wie unsere Vorstellung künftiger Mobilität aussehen kann, zeigt nicht zuletzt der BMW iNext. Mit ihm bringen wir die Zukunft ab 2021 in Serie.
  • keyboard_arrow_rightPhilipp Rhomberg:
    Wir hören in den Markt hinein und streben weiterhin an, unsere Kunden in Zukunft auch auf dem digitalen Weg die prompte und fachmännische Dienstleistung zu bieten, die sie von uns gestern, heute und morgen erwartet haben beziehungsweise erwarten werden.

Dr. Ernst-Rudolf Bauer, geboren 1955, studierte nach dem Abschluss einer Banklehre BWL und promovierte in VWL. Seine ersten Erfahrungen in der Industrie sammelte er bei einem der größten Zulieferer der Auto­mobilindustrie. Er wechselte dann als kaufmännischer Leiter in ein Unter­­­nehmen der Aufzug-, Lager- und Fördertechnik. 1996 übernahm er die Verantwortung als CFO der Preh-Gruppe. 2016 zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und berät seitdem die Joyson-Gruppe.

Maximilian Schöberl ist studierter Betriebswirt und ausgebildeter Speditionskaufmann. Er begann 1991 als Redakteur beim ZDF in Mainz. Nach einem Seitenwechsel in die Politik als Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der CSU in München und Bonn wurde er 1998 Geschäftsführer der KirchBeteiligung in München. 2002 wechselte er als Leiter der Unternehmenskommunikation zu Vodafone Deutschland. Seit 2006 verantwortet er die Konzernkommunikation und Politik der BMW Group. 2015 folgte die Ernennung zum Generalbevollmächtigten des Unternehmens. 

Philipp Rhomberg ist Chief Digital Officer (DCO) und Mitglied der Geschäftsleitung der Emil Frey Gruppe, einer Autohandelskette mit Sitz in Zürich.