Spreu und Weizen

Die Automobilindustrie befindet sich im größten Umbruch ihrer Geschichte. Dieser fundamentale Paradigmenwechsel in der Mobilität stellt bestehende Geschäftsmodelle der OEMs und Zulieferer grundlegend infrage. Neue Player, wie Technologie- und Softwarekonzerne, sowie aufstrebende Start-ups ergreifen die Chance, in den im Umbruch befindlichen Markt einzutreten.

Was bedeuten Megatrends für KMU?

Doch welche Auswirkungen haben die Megatrends auf die Wertschöpfung der KMU, die 83 % der Automobilzulieferer ausmachen? Struktur Management Partner hat den zentralen Aspekt der Elektrifizierung, von der vor allem viele mittelständische Zulieferer im Bereich Powertrain betroffen sind, in einer Expertenbefragung von Unternehmern und Finanzierern beleuchtet. Das Ergebnis: Rund 30 % der KMU werden den Strukturwandel nicht überleben, wenn sie nicht sehr schnell auf die Veränderungen reagieren und sich entsprechend (neu) ausrichten. 70 % der befragten KMU haben bisher nämlich keine oder nur unzureichende Maßnahmen zur Absicherung gegen einen Umsatzrückgang bei Verbrennungsmotoren oder gegen starke Stückzahlschwankungen eingeleitet.Lediglich 30 % haben bereits ihre Strukturen, insbesondere in der Finanzierung, den Risiken entsprechend angepasst. Immerhin sind die befragten Unternehmen schon vermehrt Entwicklungspartnerschaften zur Kompetenzerweiterung eingegangen. Solche Kooperationen oder sogar Übernahmen haben bislang 30 % der Zulieferer genutzt, um Fachwissen von bereits in der Elektromobilität etablierten Unternehmen zu erlangen, außerdem ist ein proaktives Personalmanagement zum gezielten Know-how-Aufbau im Bereich Elektrifizierung zu verzeichnen. Wenn KMU mit den größeren Marktteilnehmern im Wettbewerb nur schwer mithalten können, liegt das oft an ihrer mangelnden Finanzkraft – und das ist bedrohlich, denn 50 % der Finanzierer schätzen, dass die Finanzierung für Automobilzulieferer noch schwerer werden wird.

Strategische Optionen für KMU

Für alle diese Herausforderungen gibt es kein Patentrezept, denn die Ausgangssituation der betroffenen Unternehmen ist zu unterschiedlich. Es lassen sich jedoch vier grundsätzliche strategische Optionen für KMU ableiten:

  • doneAusweitung der Kundenbasis durch Übertragung vorhandener Technologie- und Lösungskompetenz in andere Branchen, Märkte oder Nischen
  • doneBrancheninterne Kompetenzerweiterung via Diversifizierung des Leistungsspektrums
  • doneGezielte Expansion, um Globalisierungsanforderungen mit vorhandenen Kernkompetenzen zu erfüllen und Skaleneffekte zu generieren
  • Kontrollierter Marktaustritt durch Downsizing, Fokussierung oder Verkäufe

Für KMU ist es also existenziell wichtig, früh zeitig strategisch zu reagieren. So haben KMU die Chance, dem Strukturwandel nicht nur standzuhalten, sondern diesen für sich zu nutzen und sich weiterzuentwickeln.

Beitrag von Marc-René Faerber, Managing Partner bei der Struktur Management Partner GmbH, und Samantha de Vries-Voß, Senior Consultant bei der Struktur Management Partner GmbH.