Das Auto der Zukunft

Bei PwC wurde im Zusammenhang mit dem Auto der Zukunft der Begriff „eascy“ geprägt. Was bedeutet das? Interview mit Thomas Steinberger (Partner und Leiter Transactions/Restructuring Automotive bei PwC Europe)

Die Namensgebung setzt sich aus fünf charakteristischen Merkmalen zusammen. Das Auto der Zukunft ist (e)lectrified, (a)utonomous, (s)hared, (c)onnected und (y)early updated. Rein äußerlich wird sich das „Auto der Zukunft“ wahrscheinlich wenig von den heute auf unse­ren Straßen befindlichen Fahrzeugen unterscheiden. In den verwendeten Technologien und in den sehr unterschiedlichen Nutzungsstrukturen wird es sich hingegen stark von heutigen Fahrzeugen unterscheiden. Die Veränderungen werden aus unserer Sicht durch den Wandel im Verbraucherverhalten beeinflusst. Die Entwicklung geht in Richtung „Shared Mobility“, Veränderung der Antriebstechnologie und damit hin zur Elektromobilität – verursacht durch Umweltverschmutzung und die damit verbundenen strengeren Abgasvorschriften –, notwendige Technologien für autonomes Fahren und eines geänderten Kundenverhaltens, das sich hin zu Online-Services bewegt.

Stichwort „Shared Mobility“ – wie sieht Ihrer Meinung nach die diesbezügliche Entwicklung bis zum Jahr 2030 aus?

Wir erwarten im Jahr 2030 in Europa einen Marktanteil von rund 30 % für standardisierte und vor allem geteilt genutzte Fahrzeuge, um einfach von A nach B zu gelangen. Diese Fahrzeuge werden sicher am unteren Preisende angesiedelt sein und der Trend wird seinen Ursprung in den Mega-Cities Asiens haben. Im Premiumsegment wird sich der Trend zur Individualität in Fahrzeugtyp und -ausstattung weiter fortsetzen und die Autohersteller stehen durchaus auch im Wettbewerb mit anderen Herstellern von Luxus- und Konsumgütern.

Ist das Auto der Zukunft ein Supercomputer auf vier Rädern?

Im „Auto der Zukunft“ wird der Elektronikanteil weiter deutlich ansteigen, von heute ca. 30 % auf mehr als 50 % in wenigen Jahren. Nach heutigen Maßstäben wird es tatsächlich ein Supercomputer auf Rädern sein, um vor allem die immensen Datenmengen im Bereich des autonomen Fahrens in Echtzeit verarbeiten zu können und kontinuierlich mit seiner Umwelt in Kontakt zu stehen. Ab 2030 wird auch die Mehrheit der neu gebauten Fahrzeuge einen elektrifizierten Antriebsstrang und somit weitreichende Fähigkeiten besitzen, autonom fahren zu können. Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung wird man weniger am Fahrzeug als viel mehr in der Fahrzeugindustrie sehen, in der es durch die Verringerung der Bauteileanzahl weniger mechanische Fertigung geben wird, diese aber mit einem wachsenden Bedarf an Elektronik- und Digitalkenntnissen einhergeht.

Halten Sie auch fliegende Autos für wahrscheinlich?

Wenn man tatsächlich in eine weit fortgeschrittene Zukunft nach 2030 blickt, wird wohl der immer stärkere Einsatz von fahrerlosen Robo-Fahrzeugen und der bereits jetzt von einigen Start-up-Unternehmen und Investoren angedachte Aufbruch in die dritte Dimension mit Fluggeräten und Drohnen die Richtung vorgeben. Als Fazit lässt sich feststellen, dass es das eine „Auto der Zukunft“ so wahrscheinlich gar nicht geben wird und dass es sich vielleicht sogar optisch nur wenig von heutigen Fahrzeugen unterscheiden wird. Die Veränderungen in Technologie, Herstellung und Infrastruktur werden allerdings gravierend ausfallen.

Thomas Steinberger absolvierte sein Studium zum Dipl.-Ing. Elektrotechnik (Schwerpunkt Nachrichtentechnik) an der TUM in München. Den Master of Business Administration schloss er an der University of California at Berkeley ab. Thomas Steinberger hat langjährige Erfahrung in der Leitung komplexer Restrukturierungs- und Transformationsprojekte in mittelständischen und börsennotierten Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Er besitzt mehrjährige Erfahrung als Beirat bei einem mittelständischen Automobilzulieferer und ist aktuell als Leiter Transactions/Restructuring Automotive bei PwC Europe tätig.